Von den Werten zur Kulturdimension 

Werte sind das Ergebnis eines soziokulturellen Entwicklungsprozesses, welcher von der Mehrheit einer Organisation akzeptiert wird. Dieser ist historisch bedingt und somit relativ und veränderbar. Werte widerspiegeln sich in allem, was der Mensch zu geben bereit ist, um seine Bedürfnisse zur Erhaltung, Entfaltung und Erfüllung seines Lebens zu befriedigen. Veränderungen der Bedürfnisse des Menschen haben eine Veränderung seines Wertesystems zur Folge. Die Beurteilung von Werten setzt also das bewusste Erleben und die Fähigkeit zur Klassifikation von Ereignissen und Erfahrungen sowie zur Selbst­reflexion voraus und verändert das Denken und Handeln der Menschen. Auf materieller, moralischer und sozialer Basis entwickelt sich ein Wertesystem des Einzelnen und der Gesellschaft, welches zu allgemeinen und grundlegenden Orientierungsmaßstäben für individuelles Handeln sowie zur Entstehung  gesellschaftlich anerkannter Normen führt. An der Spitze dieses Wertesystems  stehen die Grundwerte der Organisation. Oft werden diese Orientierungsmaßstäbe und Grundwerte in der Umgangssprache als Paradigmen im Sinne von Vorbild, Weltanschauung oder Weltsicht, bezeichnet. Die unterschiedlichen Werteorientierungen der Menschen geben an, welche der in der Gesellschaft vorherrschenden Werte für sie Priorität erlangen (z.B. Religion, Kultur, Weltanschauung). Da jeder Mensch fast gleichzeitig einer Vielzahl sozialer Gruppen angehört, wirken deren grundlegende Orientierungssysteme in verschiedenen Kulturebenen auf das Individuum (u.v.v.):

·        Nationale Ebene (z.B. Staat, Nation, Land)

·        Regionale Ebene (z.B. ethnische, religiöse, sprachliche Zugehörigkeit)

·        Ebene des Geschlechts (männlich, weiblich, homo-/bisexuell)

·        Ebene der Generation (z.B. Abgrenzung von Kind, Jugendlich, Eltern, Großeltern)

·        Ebene der sozialen Klassen (z.B. Arbeit, Bildung, Beruf)

·        Ebene der Organisation (z.B. Abteilung, Unternehmen, Art der Sozialisation der Beschäftigten durch berufliche Tätigkeit)

Aus empirischen Forschungen und alltägliche Erfahrungen ist bekannt, dass diese verschiedenen Ebenen nicht zwangsläufig vereinbar sein müssen. So wird z.B. oftmals die Ebene des Geschlechts mit den alltäglichen Praktiken des beruflichen und gesellschaftlichen Lebens (Ebene der Organisation) als unvereinbar empfunden. Solche Konflikte führen zu kognitiven Dissonanzen, sodass das Verhalten der Menschen in neuen bzw. Stress-Situationen nicht exakt vorherbestimmt werden kann.

Der Wertewandel wird durch sich ändernde Bedürfnisse der Menschen einer Organisation bestimmt. Indikatoren für Veränderungen in Wertesystemen ergeben sich deshalb durch das Beobachten wertgerichteten Denkens und Handelns der Menschen sowie daraus resultierender Produkte (z.B. materielle und geistige Güter). Bedingt durch  die sehr unterschiedliche Entwicklung verschiedener sozialer Gemeinschaften (z.B. Länder, Gesellschaftssysteme) muss also von möglichen Missverständnissen und Konfliktsituationen im Nebeneinander und Zusammenwirken deren Wertesysteme ausgegangen werden (z.B. Grundrechte, Umweltschutz, Religionen).

Kultur besteht aus verschiedenen ungeschriebenen Regeln des sozialen Zusammenlebens und umfasst alle Denk-, Fühl- und Handlungsmuster die aus den Grundwerten der Orientierungssysteme resultieren. Sie ist ein kollektives Phänomen, da sie (evolutionär betrachtet) von der Mehrzahl der Mitglieder der gleichen sozialen Gemeinschaft gelernt und weiterentwickelt sowie unter diesen geteilt bzw. weitergegeben wird. Sie kann also als ein wertbestimmtes Orientierungssystem der Angehörigen dieser sozialen Gemeinschaft verstanden werden, welches für sie sinnstiftend ist, deren Zugehörigkeit in erheblichem Maße definiert und deren Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst, welches aber auch durch die soziale Gemeinschaft aktiv weiter entwickelt wird. Als Nationalkultur kann demnach im Weiteren eine Kultur definiert werden, welche die Mehrzahl von Angehörigen einer Nation im Verlauf ihrer Entwicklung geschaffen und für sich als verbindlich und daseinsbestimmend wahrnehmen. Sie verkörpert so ein kollektives Bewusstsein der Bevölkerung, welches (basierend auf tradierten Werten) durch Normen und Verhaltensregeln sowie ethnisch-moralische Überzeugungssysteme (z.B. Religion) und den daraus resultierenden Welt- und Menschenbildern einen Rahmen für Wahrnehmung, Denken, Empfinden und Handeln der Menschen bildet. Hofstede sieht jedoch den Zusammenhang der Kultur weniger mit der Zuordnung zu Staaten und Nation, als vielmehr zu Gesellschaften. Staaten verfügen über ein „historisch entwickeltes Ganzes, selbst wenn sie aus sehr unterschiedlichen Gruppen bestehen“ (Hofstede, G.; Hofstede, G. J. [2011]: S. 23). Staaten und Nationen sind zwar die Quelle für ein gemeinsames mentales Empfinden ihrer Bürger. Dem gegenüber haben sich jedoch solche isolierten Gesellschaften  wie z.B. ethnische Gruppen als „historische und organische Formen einer sozialen Organisation“ (Hofstede, G.; Hofstede, G. J. [2011]: S. 23) entwickelt.

Analysiert man kritische Interaktionssituationen auf ihre Ursachen und vergleicht diese über Nationen hinweg, lassen sich übereinstimmende verhaltensrelevante Merkmale identifizieren, die als Kulturstandards zusammengefasst werden können. Sie beschreiben die Wahrnehmung der Menschen zum Verhalten der Mitglieder fremdkultureller Nationen in allen Lebensbereichen. Dabei werden überbegrifflich zentrale, bereichsspezifische und kontextuelle Kulturstandards unterschieden.


 

Grundsätzlich können Kulturstandards durch fünf Merkmale definiert werden:

·        Die normale, typische und verbindliche Art des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns der Mehrheit einer bestimmten Kultur;

·        Beurteilung und Steuerung eigenen und fremden Verhaltens aufgrund der Kulturstandards;

·        Regulationsfunktion in Bereichen der Situationsbewältigung und des Umgangs mit Personen;

·        Varianzen der Art und Weise im Umgang mit Kulturstandards zur Verhaltensregulierung von Individuen und Gruppen;

·        Verhaltensweisen außerhalb der spezifischen Bereichsgrenzen, die vom sozialen Umfeld abgelehnt werden;

Bei der Identifikation der Kulturstandards geht es weniger um die Analyse spezifischer Situationen, sondern vielmehr um einen sich wiederholenden „prototypischen und für das Verhalten […] charakteristischen Interaktionsverlauf“ (Thomas, A. [2005]: S. 29), der durch Beobachtung bzw. Befragung möglichst großer Personengruppe unterschiedlicher Zusammensetzung analysiert werden kann. Im Ergebnis von Forschungen lassen sich z.B. für das deutsche Orientierungssystem sieben Kulturstandards definieren: Sachorientierung, Regelorientierung, Direktheit/Wahrhaftigkeit, Interpersonelle Distanzdifferenzierung, internalisierte Kontrolle, Zeitplanung, Trennung von Persönlichkeits- und Lebensbereich.

Kulturstandards können auf bestimmte Kulturdimensionen menschlichen Verhaltens zurückgeführt werden. Jede Kulturdimension stellt einen Aspekt einer Kultur dar, der sich im Verhältnis zu anderen Kulturen messen lässt. So kann eine Kulturdimension dadurch beschrieben werden, dass z.B. der Kulturstandard „Sachbezogenheit“ zwischen den zwei Extremen – „überhaupt nicht sachbezogen“ bis „ausschließlich sachbezogen“ - auf einer Skala von 0 bis 100 quantifiziert wird, auf der sich dann die einzelnen Kulturkreise lokalisieren und miteinander vergleichen lassen.

Infolge einer von Geert Hofstede 1980 weltweit durchgeführten Studie in den Niederlassungen der IBM (in 53 Ländern) und in ergänzenden Studien und Forschungen bis in die heutige Zeit (z.B.  Michael Bond) wurden in den unterschiedlichen Kulturen vergleichbare Grundprobleme  festgestellt, die jedoch von Land zu Land anders gelöst wurden, und die die Ergebnisse einer von Inkeles und Levinson 1954 erbrachten Studie bestätigten bzw. ergänzten. Jedes der Grundprobleme kann als eine Kulturdimension verstanden werden, die von Hofstede wie folgt kategorisiert wurden:

·        Machtdistanz - die Akzeptanz von ungleichen Machtverhältnissen

·        Individualismus/Kollektivismus – in wieweit definieren sich die Mitglieder einer Kultur als Teil eines sozialen Beziehungsgefüges

·        Unsicherheitsvermeidung – in wieweit verursachen unklare bzw. mehrdeutige Situationen Verunsicherung und Ängstlichkeit

·        Maskulinität/Feminität – Abgrenzung und Festlegungen der Geschlechterrollen

·        Langzeitorientierung – die Wertschätzung langfristigen Denkens 

Jede Dimension umfasst mehrere, mit einander verknüpfte Phänomene in einer Gesellschaft (i.S. einer Korrelationsanalyse). Die Zusammenfassung von Elementen einer Dimension erfolgt aufgrund statischer Beziehungen (z.B. Trends), weshalb auch die Ermittlung von Dimensionen mit statischen Methoden auf der Grundlage vergleichender Informationen aus verschiedenen Ländern erfolgt.

 

 

Literatur:

Boski, P. [2005]: 2.6 Polen; in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Hatzer, B.; Layes, G. [2005]: 1.9 Interkulturelle Handlungskompetenz;   in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005a]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfelder; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Hofstede, G.; Hofstede, G. J. [2011]:  in Beck-Wirtschaftsberater; Lokales Denken, globales Handeln – Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management; Von Geert Hofstede und Gert Jan Hofstede aus dem Englischen Übersetzt von Petera Mayer und Martina Sondermann; 5., durchgesehene Auflage; Deutsche Taschenbuch Verlag; München;

Inkeles, A.; Levinson, D.J. [1969]: National Character: the study of modal personality and sociocultural systems; in: Lindzey, G.; Aronson, E. (Hrsg.); The Handbook of Social Psychology; zweite Auflage; Reading MA; London;

Kinast, E.U.; Schroll-Machl, S. [2005]: 3. Überlegungen zu einem strategischen Gesamtkonzept für Interkulturalität in Unternehmen;   in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005a]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfelder; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Layes, G. [2005]: 1.4 Kulturdimensionen;   in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005a]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfelder; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Schroll-Machl, S. [2005]: 2.3 Deutschland;    in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005b]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 2: Länder, Kulturen und interkulturelle Berufstätigkeit; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Thomas, A. [2005]: 1.1 Kultur und Kulturstandards; 1.2 National- und Organisationskultur;   1.3 Das Eigene, das Fremde, das Interkulturelle;   In: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfelder; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

v. Rosenstiel, L.; Djarrahzadeh, M.; Einsiedler, H., E.; Streich, R., K. [1993]: Wertewandel – Herausforderung für die Unternehmenspolitik in den 90er Jahren; 2. überarb. Auflage; Schäfer-Poeschel Verlag; Stuttgart;

v. Rosenstiel; L.; Comelli, G. [2003]: Führung zwischen Stabilität und Wandel, Verlag Franz Vahlen GmbH, München;

Whorf; B. L. [1952]: Collected Papers on Methalinguistics; Department of State, Foreign Service Institute; Washingotn, DC.;

 

 

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Interkulturelle Wahrnehmung und Kommunikation

 

Der Wechsel in einen anderen Kulturbereich bzw. der Kontakt mit Personen eines anderen Kulturbereichs (z.B. ins Ausland/Gastunternehmen) wird von vielen Menschen sehr unterschiedlich erlebt. Dabei ist es auch von Bedeutung, ob sich jemand freiwillig (z.B. Urlaub) oder delegiert (z.B. Dienstreise) für die Reise entscheidet und für welche Dauer die Person sich dort aufhält. Schon in der Zeit der Reisevorbereitung werden Informationen gesammelt, Erwartungen geweckt und Vorurteile gebildet, die oft mit der Realität nicht übereinstimmen und vor Ort zu  Erstaunen, Unverständnis und Ratlosigkeit führen. Die Kooperationspartner verhalten sich ggf. anders als erwartet, was zu Orientierungsdefiziten führt. Erst nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung bzw. Neuorientierung und Anpassung wächst das Verständnis der neuen Situation und der Stress weicht dem Wohlbefinden. Ursache dafür ist die individuelle Wahrnehmung, denn das Erlebte wird aufgrund von Erwartungen, Vorurteilen und Intensionen verifiziert. Ausgehend von den jeweiligen kulturspezifischen Orientierungssystemen wird die Situation jedoch von beiden Seiten unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert und daraus resultierend das individuelle Denken, Empfinden und Handeln beeinflusst. Die vielfältigen und bedeutungshaltigen Funktionen des Orientierungssystems sind das Ergebnis eines Sozialisierungsprozesses, in dem Zeichen und Symbole zur interpersonellen Verständigung so gut internalisiert wurden, dass eine unmissverständliche und konfliktfreie Kommunikation innerhalb der kulturellen Gemeinschaft möglich ist. Dies schließt die Ableitung und Bewertung der Wünsche, Ziele, Hoffnungen, Intentionen und emotionalen Befindlichkeiten aus dem Gesamtkontext der Situation sowie die kompetente Reaktion auf diese ein. Die Handelnden gehen davon aus, dass Ihre Wahrnehmung, deren Bewertung und ihre daraus resultierende Reaktion richtig ist (Wahrheitspostulat), gesittet ist (Gerechtigkeitspostulat), adäquat ist (Rationalitätspostulat) und von allen Menschen gleichermaßen gehandelt wird (Universalitätspostulat). Weichen die Orientierungssysteme jedoch voneinander ab, sodass die Zeichen und Symbole der interpersonellen Kommunikation von den Handelnden unterschiedlich interpretiert werden, führt dies zu unterschiedlicher Wahrnehmung und Interpretation des Partnerverhaltens. Beschreibt man also interkulturelle Kompetenz, so schließt dies zwingend die Kenntnis von Zeichen und Symbolen der interpersonellen Kommunikation als Teil des Orientierungssystems der Akteure ein.

 

 

Literatur:

Hofstede, G.; Hofstede, G. J. [2011]:  in Beck-Wirtschaftsberater; Lokales Denken, globales Handeln – Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management; Von Geert Hofstede und Gert Jan Hofstede aus dem Englischen Übersetzt von Petera Mayer und Martina Sondermann; 5., durchgesehene Auflage; Deutsche Taschenbuch Verlag; München;

Thomas, A. [2005]: 1.1 Kultur und Kulturstandards; 1.2 National- und Organisationskultur;   1.3 Das Eigene, das Fremde, das Interkulturelle;   In: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005]: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfelder; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

 

 

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Fremdsprachenkompetenz in der interkulturellen Zusammenarbeit

Die Sprache ist wohl das wichtigste Mittel der zwischenmenschlichen Kommunikation. Sie wird definiert als ein „willkürliches, symbolisches System, das Ideen, Gefühle, Erfahrungen, Ereignisse, Menschen und andere Phänomene benennt und das durch die vielschichtigen Regeln regiert wird, die von den Mitgliedern einer spezifischen Sprachgemeinschaft entwickelt wurden.“ (Glaser, E. 2005) Laute und Symbole der Sprache bewirken als Bestandteile kultureller und ethnischer Identität eine starke emotionale Bindung sowie das Gefühl von Vertrauen und Sicherheit. Nach B. L. Whorf ist Sprache nicht nur als ein Mittel der Kommunikation, sondern auch als ein Mittel zur Gestaltung von Ideen zu verstehen, bei dem kulturspezifische grammatikalische Strukturen die Denkprozesse formen. Die Sprache definiert dann die Rahmenbedingungen, unter denen Erfahrungen gemacht werden. Durch die Benutzung fremder Sprachen ergeben sich andere Realitäten, die jedoch (betrachtet aus dem nativen Orientierungssystem) anders interpretiert werden. Kulturelle Unterschiede werden dabei nicht nur in der Wortwahl, sondern auch im Satzbau deutlich. Während z.B. die chinesische Kultur den kausalen Zusammenhang vor die Person des Handelns stellt (Da das Geschäft geschlossen war, konnte ich nicht einkaufen), erfolgt in der englischen Sprache die Nennung der Person vor dem kausalen Zusammenhang (Ich konnte nicht einkaufen, weil das Geschäft geschlossen war.) Treffen beide Kulturen auf einander, würde der Chinese annehmen, dass der Brite seine Persönlichkeit in den Vordergrund spielen will, während der Brite davon ausgeht, dass der Chinese nach Ausflüchten sucht.

Eine ebenfalls wichtige Rolle für die Wahrnehmung und Interpretation von Informationen spielen beabsichtigte und unbeabsichtigte nonverbale Botschaften. Sie verbergen sich z.B. in Rhetorik, Mimik, Gestik und Körperhaltung der Akteure. Als ergänzende Informationen können sie den Kommunikationspartner einerseits verwirren, aber andererseits auch die notwendigen Zusammenhänge herstellen, die es dem Empfänger ermöglichen, die Botschaften zu entschlüsseln und zu interpretieren.  Aus der Anzahl der in der Abbildung genannten und gleichzeitig auftretenden nonverbalen Kommunikationsformen kann auf die Komplexität nonverbalen Verhaltens geschlossen werden, welches durch den Empfänger der Botschaften wahrgenommen, interpretiert und mit der verbalen Information verknüpft werden muss.

Funktionen und Formen der nonverbalen Kommunikation                                                                                        (Bildquelle: Ting-Toomey, S. [2012]: S. 116)   

 

Im Bereich des eigenen, seit dem Kindesalter erlernten Orientierungssystems geschieht dies i.d.R. unbewusst und sicher. Aber schon in der Interaktion mit einer fremden Person kann es hier zu Missverständnissen kommen. Die Decodierung über den eigenen Kulturkreis hinaus ist also sehr schwierig. Die Akteure der verbalen wie auch der nonverbalen Kommunikation müssen sich also solcher kulturell bedingter Struktur- und Verhaltensunterschiede bewusst werden und ihre Einschätzungen und Werturteile an den jeweiligen Orientierungssystemen messen.

 

 

Literatur:

Glaser, E. [2005]: 1.5 Fremdsprachenkompetenz in der interkulturellen Zusammenarbeit;   in: Thomas, A.; Kinast, E.-U.; Schroll-Machl, S. (Hg.) [2005]: Handbuch In-terkulturelle Kommunikation und Kooperation; Band 1: Grundlagen und Praxisfel-der; 2., überarbeitete Auflage; Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen;

Whorf; B. L. [1952]: Collected Papers on Methalinguistics; Department of State, Foreign Service Institute; Washingotn, DC.;

Ting-Toomey, S. [2012]: Communicating across Culture; The Guilford Press; New York/ London; vgl.: Glaser, E. [2005]:

 

 

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„Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“

 (Konfuzius)

Sprache ist Ausdruck unseres Geistes und unserer Kultur. Mit Sprache formen Menschen ihre Identität in ihren Lebenswelten. Sie ermöglicht dem Menschen das Denken und die Gestaltung von Ideen und Visionen.

Die Kommunikation mit ihrem beruflichen und privaten Umfeld ist für ihren Erfolg sowie ihr Glück und ihre Zufriedenheit im Leben von großer Bedeutung.

Mit unserem Wissen, unseren Kompetenzen und Erfahrungen möchten wir ihnen helfen, grenz- und kulturübergreifend richtig zu verstehen und richtig verstanden zu werden.

 

Ø  Sprache:

  • übersetzen von Dokumenten und dolmetschen von Treffen und Veranstaltungen
  • individuelle Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache für Schüler und Studenten
  • individuelle Fortbildung im Bereich der deutschen Berufs- und Geschäftssprache 
  • individuelle Konversationstreffen zum Training ihrer Sprachkompetenzen (von A1 bis C2) 

 

Ø Interkulturalität:

  • Interkulturelle Treffen und Werkstattveranstaltungen
  • Individuelle thematische Seminare zur Entwicklung und Erweiterung interkultureller Kompetenz

 

Ø Aktuelle und geplante Projekte 

  • Informationen zu aktuellen und geplanten Projekten finden sie hier …

 

 

 

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